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Tsunami - Flutkatastrophe in Asien
Stand: 02. Februar 2005

Einschätzung der Situation
Die Situation in den betroffenen Gebieten Südasiens ist nunmehr zunehmend von den Folgen der fehlenden Infrastruktur geprägt, insbesondere von der unzureichenden Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln ebenso wie von den fehlenden Verkehrsverbindungen. Ein Ausbruch von Cholera und eine Zunahme an vektorübertragenen Erkrankungen wie dem Dengue-Fieber und der Malaria wurden bislang nicht gemeldet.
Es ist jedoch mit einem höheren Risiko an anderen Durchfallerkrankungen und mit Engpässen in der ärztlichen Versorgung und der Versorgung mit Medikamenten zu rechnen.

Reisen in unmittelbar betroffene Gebiete
Solche Reisen sollten daher gegenwärtig unterbleiben, sofern sie nicht dazu dienen, im Rahmen organisierter, d.h. mit den örtlichen Rettungskräften und Behörden abgesprochener Interventionen die Situation wesentlich zu verbessern.
Touristen sollten die Katastrophengebiete und einen daran angrenzenden Streifen von ca. 50 km Breite strikt meiden. Grundsätzlich gilt dasselbe auch für Angehörige Vermisster. Wer sich dennoch auf den Weg in die betroffenen Areale macht, ist hinsichtlich des Gesundheitsschutzes wie die Katastrophen-Hilfskräfte zu versorgen: er sollte einen kompletten Impfschutz entsprechend den für die Bevölkerung in Deutschland geltenden Empfehlungen haben einschließlich Impfungen gegen Hepatitis A, Typhus und je nach Einsatzart Hepatitis B und Tollwut. Wünschenswert wäre eine Impfung gegen Cholera - der Impfstoff ist aber derzeit nicht mehr erhältlich.
Es kann in Ausnahmefällen und im Katastropheneinsatz in bestimmten Gebieten sinnvoll sein, zum Schutz gegen die Malaria, Cholera und eine Reihe anderer Erreger eine Prophylaxemedikation mit Doxycyclin 100 mg täglich einzunehmen. Sollten Seuchen ausbrechen, muss mit Quarantänemaßnahmen gerechnet werden, die die Bewegungsfreiheit Reisender einschränken Auf jeden Fall sollte man sich vor der Reise ärztlich beraten lassen.

Reisen in andere Gebiete betroffener Länder
Ob das Zielgebiet einer Reise von der Katastrophe unmittelbar oder mittelbar betroffen ist, sollte vorab geklärt werden. Dazu bietet sich der Kontakt mit dem Reiseveranstalter und dem Hotel am Zielort an.

Auswirkungen der Katastrophe in anderen Landesteilen
Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind auch außerhalb des Katastrophengebietes möglich. Dies betrifft zumindest in geringer Entfernung (bis etwa 50 km)
  • die Kontamination von Wasserversorgungsnetzen
  • die regionale Zunahme von Vektoren, z. B. Mosquitos, mit Anstieg des Risikos, sich die dadurch übertragenen Erkrankungen zuzuziehen;
  • die Umverteilung von medizinischen Ressourcen (Personal, Medikamente etc.) aus anderen Landesteilen ins Katastrophengebiet mit der Folge verschlechterter Versorgungsmöglichkeiten auch in entfernteren Krankenhäusern.
Der letzte Aspekt ist besonders für Reisende mit Vorerkrankungen bedeutsam, wenn Komplikationen auftreten oder Medikamente nachbesorgt werden müssen.

Sollte man nicht durch Urlaub in betroffenen Ländern wirtschaftlichen Schaden mildern?
Was als Förderung der Wirtschaft betroffener Länder deklariert wird, ist teilweise ein Deckmantel der Verdrängung. In der Nähe der Katastrophengebiete Urlaub zu machen, als sei nichts gewesen, erscheint zynisch. Dennoch ist es richtig, Reisen nicht ohne Grund abzusagen, wenn eine sorgfältige Erkundigung nach den Verhältnissen keine erhöhte Gefahr ergeben hat. In jedem Falle sollte Respekt vor der Betroffenheit und Trauer des Gastlandes eine Selbstverständlichkeit sein und in geeigneter Form auch geäußert werden. Vielleicht relativiert sich auch manche Reklamation über geringfügige Mängel, wenn man weiß, wie viele unmittelbar Betroffene den Reisenden umgeben. Unabhängig davon stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie viel Wirtschaftsförderung tatsächlich vom Tourismus beispielsweise ausgeht. Dies ist im allgemeinen nur dann der Fall, wenn ein Gastland in der Lage ist, unfaire Handels- und Vertragsbedingungen zurückzuweisen und seine eigenen Interessen zu verfolgen.

Quelle: Stellungnahme des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin e.V.
 

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